Entehrung eines Berufes

Die sogenannten Hartz 4 Sendungen zerstören ein ehrenhaftes Berufsbild. Schauspieler wachsen nicht an Bäumen. Warum halten sich zahlreiche, ernsthafte Schauspieler über Jahrzehnte? Warum sind viele nur „Eintagsfliegen“? 

Weil die einen ihr Fach gelernt haben, von der Pieke auf. Die anderen sind eingestiegen, nebenbei! Und halten sich für die Größten. 

Es gibt einen immensen Unterschied zwischen einem Darsteller und einem Schauspieler. Und wer glaubt, ohne Ausdauer, ohne Kritikfähigkeit, ohne Durchhaltevermögen, ohne langjähriges Training, ohne Ausbildung, ohne Pünktlichkeit, ohne Textsicherheit in diesem Beruf mehr als Scripted-Reality spielen zu können, unterliegt einem Irrtum. Sicher, Ausnahmen bestätigen die Regeln. Aber will man darauf hoffen, eine Ausnahme zu sein? Hoffen das nicht hunderttausende andere auch? 

Der Beruf des Schauspielers wird durch diese Sendungen immer mehr entehrt. Die Gagen der Berufsschauspieler sind im Keller. Man sagt zwar, dass man nicht von diesem Beruf leben kann, aber warum ist das eigentlich so? Weil es wenig hochwertige Filme und Sendungen gibt. Weil es eine Schwämme von Möchtegerns gibt. Weil TV billig produziert werden muss! Mit billigen Leuten!! Darum sind sie im Fernsehen zu sehen. Nicht, weil sie etwa zu vergleichen sind mit der hochkarätigen Schauspielerin Hannelore Elsner oder dem Schauspieler Jan Josef Liefers. 

Nur die Harten kommen in den Garten. Aber die gibt es kaum noch. Unsere Gesellschaft hat verwöhnte „Möchtegerns“ herangezogen. Sie wollen nichts leisten, aber dennoch oben stehen. Und man sieht sie auf jeder Veranstaltung, wo ein roter Teppich ausgerollt wird. Sie laufen von Event zu Event. Sie erhaschen Fotos mit berühmten Persönlichkeiten und Schauspielern, um so zu tun als ob. Dafür lassen sie sich dann bewundern. Man sieht ihre Posts auf Instagram und facebook. 

Für die wahre Kunst des Schauspielens fehlt ihnen die Ernsthaftigkeit. Und wenn sie dann mal einen „Auftrag“ bekommen, dann wird dieser als internationaler Durchbruch öffentlich „gefeiert“. 

Und dies alles macht den Beruf so unglaublich unschön. Es liegt mir auf dem Herzen, dies immer wieder zu äußern. Weil es denen, die an sich arbeiten, die geduldig sind, die lernen, die eine Ausbildung sehr ernst nehmen, die bereit sind, über sich hinaus zu wachsen es verdient haben, geachtet zu werden. Ich hoffe sehr, dass sich die Zeit des Hartz 4 TVs dem Ende neigt. Dass Schauspielkunst wieder in den Focus rückt. Dass TV wieder den Auftrag ausführt, den es haben sollte. Zu bilden und hochkarätig zu unterhalten. 

Aber es betrifft auch unser Bildungssystem. Darüber schreibe ich im nächsten Blog. 

Ich hoffe, mein Beitrag hat Euch gefallen und ich bin sehr gespannt auf Eure konstruktiven Äußerungen.

Eure Carmen Sanne-Salomon

Direktorin der SSA – Stageschool Salomon Academy

Veröffentlicht in Schauspiel-Blog von Carmen Sanne- Salomon.

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